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(English version under construction)

16. Januar – Besuchsreise
Heute stand eine Zweitages-Tour an. Zunächst fuhren wir nach Gahini um die bewundernswerte Frau Kayonga zu besuchen, die mit ihren ca. 85 Jahren noch immer rein ehrenamtlich eine kleine Vorschule führt. Ihre Freude war groß, als wir den kleinen Raum betraten! Nach dem Wechsel der Projektleitung vor 2 Jahren war der Kontakt zu ihr aus unerfindlichen Gründen zunächst abgebrochen. Aber dank der Bemühungen von Laurette war es gelungen, diesen wiederherzustellen.
Frau Kayonga hat seit wenigen Jahren eine junge Frau als Gehilfin zur Seite und führt auf diese Weise noch immer mit viel Freude die kleine Vorschulgruppe. Angesichts dieses beispielhaften Engagements hatten wir auch sie für ein Interview für unser Video vorgesehen und sie war gern dazu bereit. Im Anschluß lud sie uns alle noch in ihr Haus ein zu Obst, gekochten Eiern und Getränken. Es war ein freudiges Wiedersehen. Zugleich bewegte mich die Frage, wie es wohl mit der Vorschule weitergehen wird, wenn sie diese einmal nicht mehr führen kann? Ich fürchte, das wäre das Ende dieses kleinen Schulprojekts.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Besuch hielten wir kurz an der Anglikanischen Kirche in Gahini an um einen Blick hineinzuwerfen. Sie ist recht neu. Ein zufällig anwesender Diakon erzählte uns etwas über die Kirche und klärte uns auf, weshalb im Logo der Kirche eine Kuh zu sehen ist. Die Erklärung ist erstaunlich einfach: die Kuh spielt im Leben der Bevölkerung eine wichtige Rolle, deshalb hat man sie ins Logo integriert.
Unser anschließender Besuch galt F. an ihrer Schule. Es handelt sich dabei um eine Art privater Fachschule, an der sie Hotelmanagement lernt. Sie möchte später Hotelmanagerin werden, am liebsten in Kigali. Da sie nach Auskunft der Lehrer eine gute Schülerin ist, hat sie recht gute Chancen ihren Berufswunsch verwirklichen zu können. Der Schulwechsel, den sie seit unserem letzten Besuch vollzogen hat, ist ihr also offenbar gut bekommen. Ihr Interesse an Fußball ist nach wie vor groß und im Übrigen hat sich nebenbei herausgestellt, daß sie eine Begabung als Entertainer hat. Wie sie uns erzählte, gibt sie in ihrer Klasse und bei anderen Gelegenheiten den Alleinunterhalter – und hat uns auch gleich eine kleine Kostprobe vor ihrer Klasse gegeben. Das war recht erheiternd. Wenn sie wirklich einmal Hotelmanagerin wird, kann diese Begabung ihr vielleicht von Nutzen sein. Bevor wir weiterfuhren, wurde auch sie für unser kleines Promo-Video interviewt.
Danach machten wir uns zu einem Hotel am Lake Muhazi auf, um dort zu übernachten, denn für den nächsten Tag standen weitere Besuche in der Umgebung auf dem Programm. Eine Rückfahrt nach Kigali wäre aus Zeitgründen nicht sinnvoll gewesen. Während wir auf Auskunft über verfügbare Zimmer warteten, ging ein heftiger Gewitterregen nieder. In dem Hotel, das wir ausgewählt hatten, war indes leider kein Platz. Wir hatten uns darauf gefreut, ein wenig am Strand den Abend zu verbringen, ähnlich wie damals vor fünf Jahren, als wir bei unserem Besuch in Gahini im Hotelgarten ein ausgiebiges Mittagessen mit anschließender Ruhepause genossen hatten. Aber daraus wurde nichts. Stattdessen fuhren wir auf abenteuerlichen Seitenwegen zum schön gelegenen Muhazi Beach Hotel, um dort unser Glück zu versuchen. Da es aber sehr weit ab von unserer Route lag, fuhren wir schließlich weiter nach Rwamagana, wo wir ein recht nettes Hotel fanden.

17.1. – Besuchstag
Heute führte uns unsere Besuchstour zur Blindenschule in Rwamagana, um J. und S. zu besuchen, die beide stark sehbehindert, jedoch nicht völlig erblindet sind. S. ist in der 11. Klasse und die bessere Schülerin. Daher hat sie möglicherweise die Chance studieren zu können. Sie hat uns drei Studienwünsche genannt, von denen „Inklusive Bildung“ am aussichtsreichsten wäre, weil sie dann als Lehrerin arbeiten könnte. Deshalb legte Laurette ihr nahe, sich darauf zu orientieren.
J. geht in die 10. Klasse. Angesichts ihrer Leistungen scheint sie uns nicht für ein Studium geeignet. Laurette hat ihr nahegelegt Nähen zu lernen. Es gibt in Gisenyi eine entsprechende Schule. Die Ausbildung zur Näherin wäre auch für S. eine Option falls sie die Voraussetzungen für ein Studium nicht erfüllt. In jedem Falle sind beide in der Lage einen Beruf auszuüben, von dem sie später auch leben können.
Wie S. uns erzählte, hat sie vormals eine Brille gehabt, die ihr half etwas besser sehen zu können. Sie ging jedoch kaputt. Eine neue Brille wäre also wünschenswert.
Beide Mädchen haben den Wunsch nach einem Laptop geäußert. Der Grund dafür liegt in ihrer Behinderung. Wenn sie in die Ferien gehen, bekommen sie sehr viele Hausaufgaben mit. Doch die dazu nötigen Bücher liegen nur in Blindenschrift vor und es ist natürlich unmöglich, diese großen und schweren Bücher mit nach Hause zu nehmen. Ein entsprechendes Laptop kostet ca 250 €.

Weiter ging die Reise zum Haus von S.s Familie. … Der Vater von S. ist Ingenieur. Bei einem Unfall hat er sich einen komplizierten Bruch zugezogen, der nie richtig behandelt worden ist. Dadurch wurde er arbeitslos. Die Familie hält sich jetzt u.a. mit dem Anbau von Mais und Kassawa über Wasser.
S. hat die 12. Klasse abgeschlossen und wartet nun auf die Ergebnisse der Prüfungen, die voraussichtlich im August bekanntgegeben werden. Sollten ihre Zensuren gut genug sein, würde sie gern Pharmazie studieren. In der Zeit bis August möchte sie gern einen sogenannten Short-Course im Bereich Gastronomie machen, um eine berufliche Alternative zu haben für den Fall, daß ein Studium nicht möglich wird.

Nach Kigali zurückgekehrt lud uns das Patenkind von meiner Mitreisenden ein, ihr Zimmerchen zu besuchen, in welchem sie zur Miete wohnt. Der Raum hat vielleicht 9qm, ist feucht und mit einem löchrigen Wellblech-Dach versehen. Für diese „Höhle“ verlangt die Vermieterin stolze 20 € im Monat, scheint sich aber um die Mißstände des Raumes nicht zu kümmern. Immer wieder haben wir während unseres Aufenthaltes feststellen müssen, daß die Gier keine Grenzen kennt, weder territoriale noch moralische.

Schließlich machten wir uns auf den Weg zu P.s Familie. Der Junge wurde uns für eine Patenschaft ans Herz gelegt und meine Reisegefährten hatten sich während der Reise entschlossen, auch ihn zu unterstützen. Der Besuch gab nun Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen. Die ärmlichen Verhältnisse, in denen die Familie lebt, haben uns sehr berührt, obwohl wir ja bei früheren Besuchen schon einiges gesehen und erlebt haben. Die Wohngegend gleicht einem Slum, der sich in Kigali befindet. … Der Vater ist im vergangenen Jahr gestorben und die Mutter schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Der Kontakt zu dieser Familie ist übrigens auf beeindruckende Weise entstanden. Als es dem Patenkind meiner Reisebegleiter vor etlichen Jahren sehr schlecht ging, hat sich P.s Mutter ihrer angenommen. Und das, obwohl die ganze Familie in ärmsten Verhältnissen lebt. Diese Menschen beschämen uns immer wieder mit ihrer Großherzigkeit.

18.1. – Patenkindertreffen in Kigali
Schon vor unserer Reise hatte ich mit Laurette ausgemacht, daß wir ein Patenkindertreffen in Kigali machen wollen, weil ich in der kurzen Zeit unmöglich alle Kinder würde besuchen können. Doch was uns dann erwartete, hat uns sprachlos gemacht. Laurette und etliche der älteren Patenkinder hatten ein richtiges Fest mit Programm in einem Restaurant vorbereitet.
Zur Begrüßung wurden die Frau meines mitreisenden Ehepaares und Laurette in traditionelle Gewänder gekleidet und als wir Männer endlich das Restaurant betreten durften, empfingen uns sechs unserer älteren Patenmädchen zu Musik tanzend. Nicht nur viele Kinder, darunter auch einige gehörlose, waren anwesend, sondern sogar einige Eltern. Es gab ein festliches Menu, der Reggae-Musiker Ras Erigz und der Liedermacher Cyiza Jackson, die beide unserem Projekt verbunden sind, sangen einige ihrer Lieder, neben Laurette und uns sprach auch der Vater eines unserer Patenkinder einige Worte.
Interessanterweise war es allen Rednern ein Anliegen, daß wir uns als Familie verstehen, die füreinander da sein möge, auch dann, wenn die Förderung beendet ist. Der Grund dafür liegt in der besonderen Geschichte Ruandas. Auch heute noch gibt es Kinder, die mehr oder weniger auf sich gestellt sind oder sein werden. Da ist eine Gemeinschaft wie die unsere ein wichtiger Halt.
Schließlich wurden wir Gäste aus Deutschland gar mit einem kleinen Geschenk bedacht. Wir waren von diesem herzlichen Empfang sehr berührt und die Art und Weise, wie sich Laurette und die Patenkinder bemüht haben, aus dem Treffen ein richtiges Fest zu machen, hat uns beeindruckt. Ich bin sicher, daß auch die Patenkinder gespürt haben, daß wir wie eine Familie sind.

Zwei Dinge verdienen im Zusammenhang dieses Treffens noch besondere Erwähnung.
Innerhalb der letzten zwei Jahre haben Laurette, einige ältere Patenkinder und ich über die Entstehung einer Alumni-Gruppe beraten, um uns nicht aus den Augen zu verlieren und unsere Gemeinschaft zu erhalten. Die großen Patenkinder haben diese Idee weiterentwickelt und uns ihre Vorstellungen an diesem Abend zum Teil vorgetragen. Das Konzept sieht vor, eigene Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, so daß die Jugendlichen nach dem Studium oder der Berufsausbildung nicht arbeitslos sind. Das hört sich verheißungsvoll an und die Chance, die Ideen in die Tat umzusetzen, sind gut, denn sie kommen von den Jugendlichen selbst. Ich erwarte die detaillierten Informationen innerhalb eines Monats und denke, sie verdienen unsere Unterstützung. So wird unser Projekt langfristig wirken und genau dies wünschen wir uns.
Zu unserer großen Freude nahm Frau B., eine Übersetzerin für Zeichensprache, an dem Patenkindertreffen teil. Dadurch wurden unsere anwesenden gehörlosen Kinder vollständig mit in unsere Gemeinschaft einbezogen. Später tanzten sie sogar zur Musik mit, indem sie sich den Rhythmus von den anderen abschauten. Ich hatte B. vor einigen Jahren bei einem früheren Patenkindertreffen kennengelernt. Später verloren wir auf Grund verschiedener Umstände unseren Kontakt. Doch in Vorbereitung dieses Treffens hatte ich Laurette gebeten zu versuchen, den Kontakt zu ihr wiederherzustellen, und es war ihr geglückt. Nun werden wir künftig, und hoffentlich für lange Zeit, eine wichtige Kontaktperson zu unseren gehörlosen Kindern haben.

Fortsetzung