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(English version under construction)

12. Januar – Abreise
Endlich war es soweit: 16.48 Uhr ging der Zug gen Frankfurt. In Bad Hersfeld stiegen meine zwei Mitreisenden zu. Sie haben ein Patenkind in Ruanda, das sie besuchen wollten. Außerdem begleiteten sie mich zu den meisten Besuchen bei unseren Patenkindern.
Zu unserer Freude fuhr der Zug pünktlich, so daß wir auf dem Flughafen genug Zeit hatten, die Koffer abzugeben und das Flugticket abzuholen. So blieb uns genug Zeit, noch einen Kaffee in Vorfreude auf die Reise zu genießen. Es war erstaunlich wenig Betrieb auf dem Flughafen und so war die Situation entspannt. Bis auf den Abflug, wir waren fast zu spät beim Boarding. Dafür gab‘s dann eine halbe Stunde Verspätung in Addis Ababa bei der Weiterreise, nachdem wir schon 5 Stunden gewartet hatten. 15 Uhr Ortszeit landeten wir schließlich in Kigali nach 22 Stunden Reisezeit.

13. Januar – Ankunftstag
Wir wurden herzlich von Laurette M., unserer Projektleiterin, dem Patenkind meiner Reisebegleiter, und Gabriel, einem Freund, empfangen. Das Patenkind hatte ein Begrüßungsgeschenk mit Blumen und Bildern aus Bananenblättern für seine Paten vorbereitet. Fünf Jahre lag ihr letztes Treffen zurück und entsprechend groß war die Wiedersehensfreude.
Auf dem Weg zum mitten in der Stadt gelegenen Gästehaus Centre Saint Paul (Straße Kn 1) kauften wir die nötigsten Sachen ein, vor allem Wasser, und richteten uns schließlich erst einmal im Hotel ein.

Ich hatte gleich meine „Feuertaufe“, indem ich ab Flughafen unser Projektauto fahren durfte. Das Auto ist ein ziemlich klappriges Gefährt, Baujahr 1995, mit schlecht funktionierender Kupplung und vielen anderen Problemen. Doch dazu später noch mehr.
Zu meiner Überraschung bin ich gut mit dem Straßenverkehr zurechtgekommen. Er ist zwar recht chaotisch, aber wenn man das durchschaut hat, kommt man gut zurecht.
Am Abend trafen wir uns im erstaunlich ruhigen und hübsch gestalteten Hotelgarten zum Gespräch mit dem Kameramann Fiston. Unser Anliegen war es, ein kleines Video produzieren zu lassen, in dem unser Projekt vorgestellt wird. Während unserer Reise soll Fiston uns zu einigen Orten begleiten.
Das Video soll sowohl im Internet als auch bei Präsentationen unsere Arbeit veranschaulichen.

14. Januar – Erster Besuchstag
Unser erster Besuch galt O.s Eltern, die mit vier eigenen Kindern und einem Pflegekind aus der Verwandtschaft in einer kläglichen Hütte von vielleicht 15 qm wohnen. Dabei haben wir den jüngeren Bruder G. kennengelernt, der vermittels meines Fotoapparats seine große Begeisterung für’s Fotografieren entdeckte. Die Scheu vor den Fremden war im Handumdrehen überwunden. Sein jüngster Bruder schlief nebenan, kam dann aber später zu uns. Im Gespräch kristallisierte sich heraus, daß G. auch dringend Unterstützung durch eine Patenschaft benötigt. Vater und Mutter haben beide keine Arbeit. Der Vater erzählte uns, daß er den Motorradführerschein habe. Damit könnte er ein Motorradtaxi fahren, mit dem er ein kleines Einkommen für die Familie erwirtschaften könnte. Doch wie so oft fehlen die Mittel dafür, in dem Fall ein Betrag von 1600 €.
Auf Grund solcher Situationen haben wir vor zwei Jahren begonnen, auch die Familien unserer Patenkinder in den Blick zu nehmen, und die Initiative „Familienstärkung“ in unser Projekt aufzunehmen. Dadurch sollen die Eltern in die Lage versetzt werden, zur Sorge für die Verbesserung der Lebensverhältnisse beizutragen. Wenn unser Kompensationsfonds genug Ressourcen hätte, könnten wir O.s Vater eine Anschubsfinanzierung geben.
Anschließend besuchten wir O. in seiner Schule. Nach meinem Eindruck geht es ihm dankenswerterweise relativ gut.

Ein weiterer Besuch galt P. in ihrer Schule. Sie machte einen guten Eindruck auf mich und scheint gut zurecht zu kommen. Das Mädchen war von Laurette für ein Interview für unser Video ausgesucht worden, und so machte unser Kameramann Fiston, der uns an diesem Tag begleitete, gleich auf dem Schulhof die Aufnahme. Natürlich waren wir gleich von einer Schar neugieriger Kinder umringt, aber P. ließ sich davon nicht beeindrucken und absolvierte ihren „Auftritt“ bravurös.

Schließlich brachen wir zum Besuch an der Schule Filippo Smaldone auf. Wir trafen mehrere gehörlose Patenkinder. Alle Kinder kommen in der Schule klar und es geht ihnen gut. Später lernten wir die derzeitige leitende Schwester aus Italien kennen. Mit einigem Stolz führte sie uns noch ein wenig herum und zeigte uns den VT-Trakt (Berufsausbildung), den der derzeitige Papst höchstpersönlich gespendet hat. Der Trakt existiert seit letztem Jahr. Dort können die Schülerinnen u.a. Nähen lernen. Erste Ergebnisse haben wir bewundern können. Es sind hübsche Taschen in verschiedenen Formen und Farben.

15.1. – Besuchstag
Heute führte uns die Besuchsreise nach Ruhuha (Bugesera). Die Fahrt dorthin führt über staubige Straßen roter Erde, was man am Abend deutlich an der Kleidung sieht.
In ihrer Schule trafen wir D. und O. welche Geschwister sind. Wir erfuhren, daß D. eine gute Schülerin ist, die sich noch etwas verbessern kann. O. hat mehr Probleme, weil er vorher an einer staatlichen Grundschule gelernt hat, aber an dieser Schule wird auf Englisch gelehrt. So muß er mit einem Mal in einer Fremdsprache lernen, was natürlich eine große Herausforderung ist, doch sein Lehrer sagte mir, daß die Mitschüler ihm helfen. Wir übergaben, wie meist bei unseren Besuchen, ein paar Schulmaterialien an die beiden Kinder und fuhren weiter um T. an seiner Schule Groupe Scolaire in Rango zu besuchen. Über seine Leistungen hörten wir, daß sie noch steigerungsfähig sind. Momentan hat er 60% von 100%-Punkten. (In Ruanda gibt es keine Schulnoten wie wir sie kennen). Er ist in der 11. Klasse und möchte später gern Jura studieren. Dies wird allerdings nur möglich sein, wenn er die entsprechenden Leistungen vorweisen kann. Auf mich hat er insgesamt einen guten Eindruck gemacht. Besonders ist zu erwähnen, daß er seine Englischkenntnisse deutlich verbessert hat gegenüber meinem letzten Besuch bei ihm vor 2 Jahren.
Im Anschluß an den Schulbesuch führte uns der Weg zu O.s und D.s Haus, wo uns die Mutter mit den anderen 2 Geschwistern erwartete. Es ist eine elende kleine Hütte, die für die Familie im Zuge es allmonatlichen öffentlichen Arbeitseinsatzes der gesamten Bevölkerung (Umuganda) errichtet wurde. Die Regierung finanziert dann das Dach dazu. Die Mutter schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten recht und schlecht durch. Natürlich wurde unser Besuch, wie immer, genau von den Nachbarn beobachtet und begleitet. Und wenn ein Muzungu (Weißer, eigentlich ein „Wohlhabender“ oder „Reicher“. Aber in den Augen der meisten Ruander sind alle Weißen reich.) in solch einer Umgebung zu Gast ist, dann ist die Hütte sogleich voll mit neugierigen Nachbarskindern.
Der letzte Besuch des Tages galt der Mutter von T. Die Familiensituation äußerst schwierig. Diese Umstände haben T. veranlaßt, Jura zu studieren. Ursprünglich wollte er Mechaniker werden, hat sich dann aber um entschieden.
Am Abend führte uns der Weg ins Bamboo-Restaurant, welches sich auf dem Dach eines kleinen Hochhauses befindet. Man hat von dort oben einen schönen Ausblick auf die Stadt und kann bequem sitzen. Zugleich hatte ich dort ein Erlebnis der besonderen Art. Als Vorspeise hatte ich mir eine Pilzsuppe bestellt. Was dann serviert wurde, war allerdings eine riesige Schüssel mit einer Menge Flüssigkeit und diversen Pilzen. Wir waren erst platt und haben uns dann köstlich darüber amüsiert. Natürlich mußten alle mitessen, aber wir haben die Suppe trotzdem nicht geschafft.
Und die Moral von der Geschicht‘? Trau dem Menu in fremdem Lande nicht 🙂
Im Zweifelsfall gern mal nachfragen, um welche Portionsgröße es sich handelt.

Exkurs: So nach und nach lernen wir, welch ein großer Glücksfall Laurette für unser Projekt ist. Wir (also die beiden Paten und ich) erleben sie als eine überaus engagierte Frau, vor allem aber als unglaublich warmherzig und den Patenkindern zugewandt, gleichgültig, ob sie klein oder groß, behindert oder nicht behindert sind. Sie ist wie eine Mutter zu ihnen. Ihr Einsatz für unser Projekt ist einzigartig! Dabei hatte sie im Lauf der Jahre auf Grund ihrer Qualifikation Angebote von diversen Organisationen, bis hin zu den UN. Doch sie hat stets ausgeschlagen, um für die benachteiligten Kinder Ruandas da zu sein.

Fortsetzung